Frage & Antwort

Question & Answer


Auf dieser Seite möchte ich Fragen aus meiner Sicht und Erfahrung beantworten, die mir entweder von Lesern gestellt wurden oder sich in meiner Laufbahn als 'moderner' und barocker Cellist immer wieder aufgetan haben.

Dabei richtet sich diese Seite an Anfänger wie auch an professionelle Spieler. Letztere werden sicherlich vieles bzw. alles kennen, jedoch vielleicht auf neue Blickwinkel stoßen...

Zögern Sie nicht, mir über das Kontaktformular ebenfalls Fragen zu stellen. Die Fragen werden anonym veröffentlicht.

 


 

 

1. Was ist der Unterschied zwischen schwarzen und weißen Bogenhaaren?

 

In der Tat unterscheiden sich die beiden Sorten von Bogenhaaren - und das nicht nur in der Farbe.

Am weitesten verbreitet sind bei Geigern, Bratschern und Cellisten nicht ohne Grund weiße Bogenhaare. Bei Kontrabassisten hingegen ist beides anzutreffen (auch als Mix).

Weiße Bogenhaare produzieren einen feineren und rauschärmeren sowie weniger "groben" Klang. Sie eignen sich daher für Stahlsaiten und dem Wunsch einen "edlen" Ton zu erzeugen am ehesten.

Schwarze Bogenhaare sind in dieser Hinsicht weniger flexibel und greifen die Saite klanglich mehr an. Daher werden sie öfter bzw. gerne von Bassisten bevorzugt. Oder eben bei Barockinstrumenten; da kenne ich sie auch von Geigern und Bratschern. Ich persönlich spiele auf dem 'modernen' Cello klassische weiße Bogenhaare, auf dem Barockcello jedoch schwarze in Verbindung mit einem weicheren Kolophonium.

 

 

2. Wie soll ich am besten mit dem Kolophoniumstaub auf dem Cello umgehen?

 

Trotz der Versprechen einiger Hersteller, staubarmes oder gar staubfreies Kolophonium zu produzieren, entsteht der Staub so oder so.

Letztlich ist es das Sinnvollste den Staub auf dem Cello (hier dann ohne Druck), dem Griffbrett und den Saiten mit einem weichen Tuch regelmäßig wegzuwischen. Auf dem Cello ist das kein Problem, man sollte nur aufpassen vor lauter Euphorie nicht gegen die Stegbeine zu kommen. Auf dem Griffbrett ist es ebenfalls kein Problem. Bei den Saiten würde ich auf eine wichtige Sache achten: das Kolophonium immer in Richtung des Griffbretts zu wischen - nicht, wie ich es auch bei prof. Cellisten öfter sehe, in Richtung des Steges. Damit wischt man das Kolophonium in die Richtung der Stegkerben und drückt den klebrigen Staub in diese regelrecht hinein. Dadurch wird einerseits das Stimmen beeinträchtigt; viel schlimmer jedoch ist, dass die Saiten nicht mehr problemlos über den Steg gleiten können. Die Folge kann sein, dass das Holz an den Kerben bzw. sogar die Umspinnung der Saiten beschädigt werden kann. Prinzipiell also immer WEG VOM STEG wischen!

Natürlich ist das Wegwischen des Staubes auf dem Cello keine richtige und tiefgehende Reinigung; nach und nach wird der Lack unter dem Steg stumpf und klebrig. Empfehlen kann ich da nur, das Cello zu einem Geigenbaumeister zu bringen, da nur er den Lack professionell reinigen kann. Jeder Geigenbauer mischt sein "Reinigungsmittel" individuell und kann es damit an den Lack anpassen. Zudem ist das Reinigen ein zeitaufwendigerer Vorgang als man denkt. Auf Reinigungsmittel, die man im Musikhandel kaufen kann, würde ich verzichten, da es schließlich nur "irgendwelche" Universalreinger (wenn auch für Instrumente) sind - jedoch nie an den indivuellen Lack des Instruments angepasst.
Der Lack eines (alten) Instruments ist etwas sehr sensibles, wertvolles und gibt dem Cello seine individuelle Eigenart. Dort würde ich nicht mit irgendwelchen Flüssigkeiten, die man für ein paar € kaufen kann, herangehen und diese "planlos" auf dem Instrument verreiben. Gebt das Instrument in Fachhände.

 

 

3. Was sollte man beim Saitenwechsel beachten?

 

Wann man sich letztlich dazu entscheidet, Saiten zu wechseln, muss jeder für sich entscheiden.
Wenn eine Saite reißt ist es natürlich klar sie auszutauschen. Wenn man merkt, dass das Instrument mit einer (neuen) Saite, möglicherweise weil man sie testet, nicht wirklich klar kommt, dann sollte man sie auch wechseln – nicht weil das Instrument Schaden nimmt sondern viel mehr das eigene Spiel. (Man versucht klangliche Defizite auszugleichen, die letztlich nicht von einem selbst stammen.)
Wenn man ein Vielspieler ist bekommt man über die Zeit ein Gefühl dafür, wann eine Saite abgespielt ist. Das kann der Fall sein, wenn das klangliche Volumen und die „Weichheit“ im Ton verloren gehen; wenn mehr und mehr Fehlansprachen passieren und man diese nicht in den Griff bekommt; wenn die Saiten untereinander nicht mehr quintenrein sind; wenn sich am Steg oder wo anders an der Saite die Umspinnung auflöst (schlecht für den Finger sowie am Steg für das Holz/die Kerbe).
Bei Stahlsaiten sollte man stets aufpassen, dass die Kugel, die am Saitenhalter in die Feinstimmer bzw. in das entsprechende Loch eingehangen wird, möglichst nie gegen das Instrument und seinen Lack schlägt. Dies könnte ihn, wenn auch nur geringfügig, beschädigen.
Den Saitenanfang im Wirbelkasten einmal über Kreuz zu legen (damit er sich durch den Zug von selbst am Herausrutschen hindert) kann man machen, war bei mir in der Praxis aber nie groß notwendig, da Stahlsaiten genügend Länge im Wirbelkasten haben um zu halten. Lediglich bei Darmsaiten, die am Obersattel oder am Saitenhalter gerissen aber ansonsten noch in Ordnung sind, kann es notwendig werden. (Diese können im Wirbelkasten schon mal recht kurz werden und über Kreuz damit gehindert werden, immer wieder heraus- oder nachzurutschen.)


Das Wichtigste – egal ob bei Stahl- oder Darmsaiten – ist, die Kerben am Steg sowie am Obersattel vor dem Aufziehen mit Graphit einzureiben; ich nutze dafür einen Bleistift mit 8B. Ansonsten hindert man die Saiten, beim Einstimmen, am problemlosen Gleiten. Dadurch können sie sich, aufgrund des entstehenden ungleichmäßigen Zugs beim Stimmen vor und hinter dem Steg, während des Spielens (durch den dann folgenden schleichenden Zugausgleich) verstimmen. Außerdem werden die erwähnten Kerben auf Dauer durch die stärkere Reibung der Umspinnung beschädigt und können wiederum folgende (neue) Saiten angreifen.

 

 

4. Deine Erfahrung mit Dämpfern?

 

 Über viele Jahre hinweg (als Schüler, Student & Akademist) nutzte ich den Dämpfer, der bei vielen Musikern weit verbreitet ist: den Tourte-Dämpfer, der an zwei Saiten eingehangen wird. Vor einigen Jahren wechselte ich jedoch zu der Version, die nur an einer Saite eingehangen wird. Dies geschah überwiegend aus klanglichen Gründen. Nachdem ich mein französisches Cello aus dem 18. Jahrhundert immer mehr klanglich verbessern wollte und habe (Stachel & Saiten), fiel mir der Dämpfer auf. Denn selbst wenn er nicht auf dem Steg ist, beeinträchtigt der „zweisaitige“ Dämpfer den Klang des Cellos – wenn auch nur minimal. Er fungiert quasi – und so könnte man ihn auch nebenbei einsetzen – als ein Wolftöter, da er die beiden Saiten, zwischen denen er eingehangen ist, unter leichten Druck nach Außen setzt. Doch da ich an meinem Cello keinen Wolftöter benutze, sondern das Instrument in dieser Hinsicht völlig frei schwingen lasse, hat mich dieser Dämpfer klanglich etwas gestört. Der „einsaitige“ Dämpfer hängt nur an einer Saite und kann ebenfalls als eine Art leichter Wolftöter verwenden werden, wenn man ihn zwischen zwei Saiten klemmt.
Nebenbei gefällt mir der gedämpfte Klang mit diesem einsaitigen Dämpfer persönlich mehr.

Neben diesen „Orchesterdämpfern“ gibt es natürlich noch einige andere.
Erfahrung diesbezüglich habe ich mit dem Holzdämpfer; dieser ist eher für das solistische Spiel zu benutzen, wenn es vom Komponisten explizit verlangt wird (etwa in Kabalewskis 1. Cellokonzert). Dieser Dämpfer wirkt wesentlich stärker als die Gummidämpfer – verstärkt jedoch auch mehr den Wolf! Beim Aufsetzen sollte man darauf achten, ihn nicht mit Gewalt auf den Steg zu drücken. Er wird nur wenig auf das Holz gesteckt, soweit, bis es nicht mehr weiter geht.
Ein weiterer Dämpfer, den ich nutze, ist der (umgangssprachlich genannte) „Hoteldämpfer“ aus Hartgummi. Es gibt noch einen aus Metall, der in der Wirkung extremer sein sollen.
Der Hoteldämpfer aus Gummi passt nahezu komplett auf den Steg. Ich nutze ihn, wenn die klangliche Seite des Übens keine Rolle spielen soll, sondern schlicht motorische/technische Aspekte im Vordergrund stehen. Dabei kann es passieren, dass die Lautstärke, gerade in hohen Lagen, auf Dauer belastend wird. Da hilft dieser Dämpfer, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – auch weil er den Klang soweit „verdünnt“, dass man den „reinen“ Ton (ohne Obertöne oder sonstige Eigenschaften, die einen Ton „schön“ machen) hört. Mir fiel lediglich auf, dass die Stimmung der Saiten indirekt beeinflusst wird. Ohne Dämpfer gestimmte reine Quinten sind mit dem Hoteldämpfer nicht mehr rein. Daher würde ich ihn für Intonationzwecke nicht empfehlen – lediglich für das erwähnte motorische bzw. technische Üben zu Hause. Oder eben im Hotel. ;-)


 

On this page I would like to answer questions from my point of view and experience, which have either been put to me by readers or which have been raised again and again in my career as a 'modern' and baroque cellist.

This site is aimed at beginners as well as professional players. The latter will certainly know a lot or everything, but maybe they will find new perspectives...
Don't hesitate to ask me questions using the contact form. The questions will be published anonymously.

 

 

 

 


 

 

1. What is the difference between black and white bow hair?

In fact, the two types of bow hair differ - and not only in color.
It is not without reason that white bow hairs are most common among violinists, viola players and cellists. Double bassists, on the other hand, have both (also as a mix).
White bow hair produces a finer, less noisy and less "coarse" sound. They are therefore best suited for steel strings and the desire to produce a "noble" tone.

Black bow hairs are less flexible in this respect and attack the string more. Therefore they are preferred by bassists more often. Or on baroque instruments; I also know them from violinists and violists. I personally play classical white bow hair on the 'modern' cello, but black bow hair on the baroque cello in combination with a softer rosin.

 

 

 

 

 

2. What's the best way to handle the rosin dust on the cello?

Despite the promises of some manufacturers to produce low-dust or even dust-free colophony, the dust is produced one way or the other.
Ultimately, it makes most sense to wipe the dust off the cello (here without pressure), fingerboard and strings regularly with a soft cloth. On the cello this is not a problem, you should only be careful not to hit the bridge legs because of euphoria. On the fingerboard it is no problem either. With the strings I would pay attention to one important thing: always wipe the rosin in the direction of the fingerboard - not in the direction of the bridge as I often see it with professional cellists. This wipes the rosin in the direction of the bridge notches and presses the sticky dust into them. On the one hand this impairs the tuning; much worse, however, is that the strings can no longer glide smoothly over the bridge. The consequence can be that the wood at the notches or even the winding of the strings can be damaged. In principle, always wipe AWAY FROM BRIDGE!
Of course, wiping off the dust on the cello is not a proper and deep cleaning; gradually the varnish under the bridge becomes dull and sticky. I can only recommend to bring the cello to a luthier, because only he can clean the varnish professionally. Every violin maker mixes his "cleanser" individually and can thus adapt it to the varnish. In addition, cleaning is a more time-consuming process than you might think. I would do without cleaning agents, which you can buy in music shops, because they are only "any" universal cleaners (even if for instruments) - but never adapted to the individual varnish of the instrument.
The varnish of an (old) instrument is something very sensitive, valuable and gives the cello its individual character. I wouldn't go there with any liquids, which you can buy for a few €, and rub them "without plan" on the instrument. Give the instrument to a specialist.

 

 

 

 

 

 

 

3. What should I consider when changing strings?

 

When you finally decide to change strings, everyone has to decide for himself.
If a string breaks, it is of course clear to change it. If you notice that the instrument does not really work with a (new) string, possibly because you test it, then you should also change it – not because the instrument will be damaged, but because your own playing is much more affected. (One tries to compensate for tonal deficits, which ultimately do not originate from one's own.)
If you are a frequent player, you get a feeling for when a string is played over time. This can be the case if the volume [not „loudness“] of the sound and the "softness" in the tone are lost; if more and more mistranslations happen and you can't get a grip on them; if the strings are no longer in perfect fifths with each other; if the winding dissolves on the bridge or elsewhere on the string (bad for the finger as well as on the bridge for the wood/notch).
With steel strings you should always take care that the ball, which is attached to the tailpiece in the fine tuner or in the corresponding hole, never hits the instrument and its varnish. This could damage it, even if only slightly.
In my practice, however, it was never necessary to cross the beginning of the string in the pegbox (so that it prevents itself from slipping out by the pull), because steel strings have enough length in the pegbox to hold. Only gut strings that are torn at the upper saddle or the tailpiece but otherwise still okay may require it. (These can become quite short in the pegbox and be prevented crosswise from sliding out or back again and again).


The most important thing – no matter if steel or gut strings are used – is to rub the notches on the bridge as well as on the upper saddle with graphite; I use a pencil with 8B for this purpose. Otherwise the strings are prevented from gliding easily when tuning in. This allows them to tune out while playing due to the resulting uneven tension in front of and behind the bridge (due to the following creeping tension compensation). In addition, the notches mentioned above are damaged in the long run by the increased friction of the winding and can in turn attack the following (new) strings.

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Your experience with mutes?

 

For many years (as a pupil, student & academist) I used the mute, which is widely used by many musicians: the Tourte mute, which is attached to two strings. A few years ago, however, I switched to the version that is only attached to one string. This was mainly for tonal reasons. After I wanted to improve the sound of my French cello from the 18th century more and more (endpin & strings), I noticed the mute. Because even if it is not on the bridge, the "two-string" mute impairs the sound of the cello – even if only minimally. It functions as a wolf tone eliminator, as it puts the two strings, between which it is suspended, under slight pressure to the outside. But since I do not use a wolf tone eliminator on my cello, but let the instrument vibrate completely freely in this respect, this mute disturbed my sound somewhat. The "one-string" mute hangs only on one string and can also be used as a kind of light wolf tone eliminator if it is clamped between two strings.
Besides, I personally like the muted sound with this single-string mute more.

Beside these "orchestra mutes" there are of course some others.
I have experience in this respect with the wood mute; this is more suitable for solo playing when it is explicitly required by the composer (e.g. in Kabalewski's 1st Cello Concerto). This mute has a much stronger effect than the rubber mutes – but it also amplifies the wolf tone more! When touching down, one should take care not to force it onto the bridge. It is put only little on the wood, so far, until it does not go any further.
Another mute I use is the (colloquially called) "hotel mute" made of hard rubber. There is another one made of metal, which should be more extreme in the effect.
The rubber hotel mute fits almost completely on the bridge. I use it when the tonal side of practicing should not play a role, but simply motor/technical aspects are in the foreground. It can happen that the volume, especially at higher registers, becomes a strain in the long run. This mute helps you to concentrate on the essentials – also because it "dilutes" the sound to such an extent that you hear the "pure" tone (without overtones or other characteristics that make a tone "beautiful"). I only noticed that the tuning of the strings is indirectly influenced. Pure fifths tuned without mutes are no longer pure with the hotel mute. Therefore I would not recommend it for intonation puposes – only for the mentioned motoric or technical practice at home. Or in a hotel. ;-)